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Schmerzarme Geburt: Kraftvolles Erlebnis statt unerträglicher Schmerzen

Die Geburt meines ersten Sohnes 2010 war so, wie eine Geburt oft ist: im Krankenhaus, schmerzhaft, bis hin zum Nicht-mehr-weiter-können und -wollen. Im Gegensatz zu dem, was mir während der Schwangerschaft immer gesagt wurde, löste sich das auch nicht mit der Ankunft meines Sohnes auf. Ich fühlte mich durch die Schmerzen so ausgelaugt, dass ich mich einfach nicht über seine Geburt und mein Neugeborenes freuen konnte. Ich konnte auch nicht auf mich und meinen Körper stolz sein.

Und eines war klar: Ich wollte definitiv niemals wieder gebären. Wie Frauen ihre Geburt als positiv beschreiben konnten – ich konnte es nicht verstehen. Geburt war für mich etwas, durch das man eben durch musste, wenn man ein Baby wollte. Ein schrecklicher Meilenstein, den es zu überwinden und schnell zu vergessen galt.

Schmerzarme Geburt: Das Phänomen Hypnobirthing

Knapp zwei Jahre später wurde ich wieder schwanger. Mir war klar: Ich musste nach einer Lösung suchen, um das Erlebnis der ersten Geburt nicht wiederholen zu müssen. Schnell stieß ich bei der Suche nach einer schmerzarmen Geburt auf Marie Mongans „Hypnobirthing“. Bei dem Namen war ich – um ganz ehrlich zu sein – etwas skeptisch. Aber ich war auch verzweifelt und wollte nichts unversucht lassen – egal wie verrückt es sich anhörte. Schon nach den ersten paar Seiten war mir klar: Hypnobirthing ist nichts Esoterisches, das nur für Hippies gemacht ist. Es ist auch keine neumodische, abgefahrene Erfindung irgendeiner Psychologin. Und es hat nichts mit dem Bild zu tun, das wir normalerweise haben, wenn wir an Hypnose denken.

Ich las das Buch an drei Tagen durch und war von der Idee begeistert: Wenn man ohne Angst und Anspannung in die Geburtssituation hineingeht, kann man eine schmerzarme Geburt erleben. Schmerz entsteht, weil wir versuchen, das Geschehen zu kontrollieren, Angst bekommen, verkrampfen, falsch atmen und unserem Körper nicht die richtige Umgebung für eine Geburt geben. Wenn wir unter der Geburt unseren Verstand abschalten und zu unseren Säugetierwurzeln zurück kehren, können wir hingegen eine unkomplizierte, schmerzarme und positive Geburten erleben. Hypnobirthing vermittelt Techniken, die einer Gebärenden dabei helfen.

Ich übte also schon ab Mitte der Schwangerschaft die im Buch vorgestellten Atem– und Entspannungstechniken und versuchte, mein Mindset in Bezug auf Geburt vollkommen umzukrempeln. Ich las jeden Hypnobirthing-Geburtsbericht, den ich im Netz finden konnte, schaute alle Geburtsvideos von Hypnobirthing-Geburten auf YouTube und versuchte mich mit Affirmationen.

Was macht eine Geburt sicher – und was nicht?

Ich las auch noch mehr Literatur weit über das Buch hinaus: Was ist wichtig für eine interventionsarme Geburt? Was macht eine Geburt sicher – und was nicht? Ich stellte fest: Viele routinemäßige Eingriffe, die wir für normal und wichtig halten (wie zum Beispiel das CTG und ein sofortiges Abnabeln), bieten bei genauem Hinsehen (in wissenschaftlichen Studien) überhaupt keinen Vorteil und sind oft sogar nachteilig für Mutter und/oder Baby. Auch sind Hausgeburten nicht gefährlich (für gesunde Schwangere mit gesunden Babys), sondern tatsächlich in einigen Studien sogar sicherer als Klinikgeburten – auch wenn das der Intuition vieler widerspricht (inklusive der meisten Ärzte).

Unsere Geburtsmedizin ist oft nicht evidenzbasiert, nicht auf die Ergebnisse aktueller Studien ausgerichtet. Als Biologin und Doktorandin erstaunte mich das. Ich sammelte so viele Informationen wie möglich und übte wann immer ich Zeit fand. Am Ende der Schwangerschaft hatte ich immer noch Zweifel, war aber trotzdem zuversichtlich. Ich hatte ein wundervolles Hebammenteam, das meine geplante Hausgeburt betreuen sollte, ich hatte meinen Partner in die Vorbereitung einbezogen und einen Geburtsplan angefertigt. Und natürlich hatte ich mir auch jede Menge Spott und Skepsis eingefangen. „Schmerzarm? Geburt muss doch weh tun.“ – „Hypnose? Wer wird dich denn hypnotisieren?“ – „Hausgeburt? Um Gottes Willen, viel zu gefährlich!“ Ich schwieg meistens und lächelte in meinen Bauch hinein. Wir würden das gut machen, mein Baby und ich. Ich ließ mich nicht mehr von meinem Weg abbringen.

Der Weg zu einer positiven Geburtskultur

Als die Geburt begann, spürte ich ein moderates Ziehen während der Kontraktionen, das aber ganz verschwand als ich mich in die Wanne legte. Ich erlebte die nächsten Stunden als sehr intensiv, aber nicht schmerzhaft. Wie in Trance und tatsächlich (so wie ich es vorher gelesen hatte) ohne Zeitgefühl. Stunden kamen mir wie Minuten vor und kurz nachdem meine Hebamme zu uns kam, wurde mein zweiter Sohn geboren (einen ausführlichen Geburtsbericht findest du hier). Ich hatte nicht geschrien, ich hatte keine unerträglichen Schmerzen gehabt. Es war ein kraftvolles, sehr schönes Erlebnis gewesen, das ich nicht missen möchte – ganz anders als meine erste Geburt.

Auf meinem Blog möchte ich gerne anderen Frauen vermitteln, dass das Bild, das wir in unserer Gesellschaft von Geburten haben, nicht das wahre Potential widerspiegelt, das Geburten wirklich haben können.

Eine positiv erlebte Geburt ist so wertvoll für den Beginn einer Familie und jede Frau hat ein Recht darauf und das Potential dazu.

Leider muss man heute sehr viel wissen, um eben nicht auf Allgemeinplätze und Binsenweisheiten rund um die Geburt hereinzufallen. Als Wissenschaftlerin ist es mir wichtig, die Themen gründlich zu recherchieren und zu zeigen, dass Studienergebnisse viele normale Geburtshilfepraktiken eben nicht unterstützen. Als Frau und Mama möchte ich vermitteln, dass Geburt nichts ist vor dem man Angst haben muss, dass aber auch mein Weg zu einer schmerzarmen Geburt nicht geradlinig war. Viele meiner Artikel sind tatsächlich von meinen eigenen Schwächen und Fehlern motiviert – um andere eventuell davor bewahren zu können und zu zeigen: Du bist nicht allein. Wir Frauen, wir als Gesellschaft müssen uns zu einer positiven Geburtskultur hinwenden – und ich möchte dazu meinen Teil beitragen.

Hier findest du eine Liste mit Buchempfehlungen für eine schmerzarme Geburt.

Über die Autorin

Susanne Schilling ist Biologin, Mutter von zwei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in Dublin. Nach einer negativen ersten Geburtserfahrung hat sie sich ausführlich mit dem Thema Sanfte Geburt beschäftigt und hat ihren zweiten Sohn zuhause zur Welt gebracht. Auf ihrem Blog Meine Traumgeburt schreibt sie über sichere und schmerzarme Geburt.

Eine positiv erlebte Geburt ist so wertvoll für den Beginn einer Familie und jede Frau hat ein Recht darauf und das Potential dazu.

Susanne Schilling
Susanne Schilling

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