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Jedes Kind ist anders! 3 Schritte zur Gelassenheit

Jedes Kind ist anders

Viele Eltern vergleichen ihre Kinder (heimlich oder lautstark) mit anderen – und setzen damit sich und ihre Kinder unnötig unter Stress.

Der Wettbewerb fängt direkt nach der Geburt an, wenn Länge und Geburtsgewicht auf Zentimeter und Gramm genau auf die Babykarten gedruckt werden. Und es geht so weiter: Wann lernt das Baby krabbeln, sitzen, essen, stehen, laufen und sprechen? Wann ist es trocken, wann lernt es lesen, wann kann es den eigenen Namen schreiben?

Wenn die Freunde fragen, wie es dem Nachwuchs geht, steckt dahinter nicht immer nur freundliches Interesse. Wer zugibt, dass sein Kind noch nicht durchschläft, läuft oder seinen Namen tanzen kann, erhält nicht selten einen ungebetenen Erziehungsratschlag: Das Kind braucht jetzt aber dringend a) Bachblüten, b) mehr Schlaf oder c) eine Sitzung bei Dr. Winterhoff. Je nachdem, mit wem wir es zu tun haben.

Wir vergleichen, weil wir denken, dass Kinder möglichst viel möglichst früh können müssen. Doch der Leistungsgedanke setzt Eltern und Kinder völlig unnötig unter Stress.

Es zeigt sich, dass die meisten Kinder mit drei Jahren laufen, sprechen und ihren Namen sagen können. Doch machen manche Kinder mit neun Monaten ihre ersten Schritte, manche mit 15 Monaten, beides ist völlig normal. Egal wann sie anfangen – am Ende laufen sie alle.

Daher ist es Zeit für drei Schritte zu mehr Gelassenheit:

1. Wir sollten immer daran danken: Jedes Kind ist anders – aber fast alle Eltern machen sich Sorgen!

Wir treffen eine Mutter, deren Baby im Kinderwagen viel ruhiger schläft als im Tuch. Sie macht sich Sorgen wegen der motorischen Entwicklung. Wir treffen eine Mutter, deren Baby nur im Tuch einschläft – sie macht sich Sorgen wegen zu starker Bindung. Eine Mutter, deren 5-Jähriger schüchtern ist, macht sich Sorgen, dass er in der Schule untergeht. Eine Mutter, deren 5-Jähriger ein kleiner Draufgänger ist, macht sich Sorgen, dass er in der Schule als aggressiv abgestempelt wird.

Fakt ist: Eltern dürfen sich viel weniger Sorgen machen. Jedes Kind ist an anderen Stellen „reif“ und „unreif“ nach unseren Maßstäben als Erwachsene. Das meiste davon gleicht sich im Laufe der Jahre aus.

2. Wir müssen unseren inneren Zensor stoppen!

„Das Nachbarskind ist schon trocken. Die Kindergartenfreundin haut nie jemanden, unser Kind haut immer zuerst. Das Baby der besten Freundin schläft immer so schön im Auto ein.“

Geben wir es zu, so nervig die ewigen Besserwisser auf dem Spielplatz oder im Büro auch sind – oft brauchen wir Eltern sie gar nicht. Wir beäugen die Entwicklungsschritte unseres Nachwuchses selbst und vergleichen sie in Gedanken mit anderen Kindern. Und wir fragen uns: Machen die anderen es besser?

Die Antwort ist: Nein, sie machen es anders. Sie haben andere Leben, eine andere Geschichte und andere Kinder. Und sie haben – ganz sicher – andere Sorgen.

3. Wir sollten uns auf die Qualitäten unseres Kindes besinnen.

Jedes Kind hat seine Qualitäten. Wir müssen sie nur sehen. Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, entscheiden wir in unserem Kopf: Ein kleiner Weltentdecker findet als Baby schwer in den Schlaf, dafür lernt er vielleicht sehr schnell. Ein Kind, das schüchtern ist, ist oft auch besonders sanftmütig oder zärtlich mit anderen. Kleine Draufgänger machen vielleicht öfter etwas kaputt, dafür sind sie mutig und oft sehr erfinderisch.
Wir dürfen uns also getrost entspannen. Ein wenig mehr „Das wird schon noch!“ tut den meisten Familien gut. Die Vierjährige traut sich nicht, der Nachbarin freundlich „Guten Tag!“ zu sagen? Streicheln Sie ihr Kind liebevoll, sagen Sie statt seiner „Guten Tag!“ und erklären der Nachbarin, das werde schon noch kommen. Und wenn unsere Kinder die Zeit bekommen, die sie für ihre eigene Entwicklung brauchen und gut versorgt sind, dann kommt es auch.

Mutige Eltern sind entspannte Eltern. Und je gelassener Eltern sind, desto besser können sie auf die Bedürfnisse ihres Kindes reagieren. Sie können ihre Kinder wertfrei als die Menschen lieben, die sie sind.

Es ist unsere Aufgabe, unsere Kinder zu unterstützen, wo sie es brauchen. Aber es ist nicht unser Job, sie durch die Wettbewerbsarena „Kindheit“ zu peitschen, sondern wir sollten ihnen den Raum lassen, sich in ihrem individuellen Tempo zu entwickeln.

„Ich liebe dich – und zwar ganz egal, ob du als erster krabbeln kannst oder nicht!“ – diese Liebe ist ein Geschenk, das nur wir Eltern unseren Kindern machen können. Und eine solche Liebe werden sie ein ganzes Leben lang als Schatz mit sich tragen. Sie wird sie stark und selbstbewusst machen, wenn sie in die leistungs- und wettbewerbsorientierte Welt losziehen.

Über die Autorin

Nicola Schmidt ist Wissenschaftsjournalistin, Bloggerin und Co-Gründerin des Artgerecht-Projektes. Seit 2010 berät sie Eltern und lehrt „artgerecht“ für Familienbegleiter, Klinikpersonal und Kinderärzte. Ihr gleichnamiges Buch ist 2015 erschienen.

Jeden Sommer bietet Nicola deutschlandweit einzigartige Wildnis-Camps an, in denen Familien artgerechtes Dorfleben eine Woche lang erfahren können.

Je gelassener Eltern sind, desto besser können sie auf die Bedürfnisse ihres Kindes reagieren.

Nicola Schmidt
Nicola Schmidt

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