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Antibiotika oder Globuli: Homöopathie bei Babys und Kindern

Homöopathie bei Babys und Kindern

Gesundheit gehört zu den Themenfeldern, in denen es viele Graben- und Glaubenskämpfe um konkurrierende Meinungen und Methoden gibt – unter Laien genau wie unter Ärzten und Wissenschaftlern. Ein besonders konfliktreiches Feld: die Homöopathie.

Ende des 18. Jahrhunderts vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann erfunden, entwickelte sich die Homöopathie zu einem der einflussreichsten alternativen Heilansätze. Der Grundgedanke: Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Dafür werden die Arzneimittel so ausgewählt, dass ihre Inhaltsstoffe bei Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet.

Allerdings werden die Substanzen in einem Verfahren so verdünnt, dass sie im Labor schon nicht mehr nachweisbar sind. Während Homöopathen davon ausgehen, dass bei der speziellen Verdünnungsmethode (Potenzierung) eine Art „immaterielle Energiezufuhr“ von der Substanz auf die Lösung stattfindet, attestieren kritische Studien den homöopathischen Mitteln keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit.

Warum nicht verschiedene Methoden kombinieren?

In Bezug auf die Homöopathie bei Babys und Kindern sind viele Eltern unsicher: Wer selbst öfter zu homöopathischen Mitteln greift, fragt sich, ob diese auch beim kranken Nachwuchs der richtige Weg sind. Wer selbst eher zur Schulmedizin neigt, überlegt plötzlich, doch mal etwas Homöopathisches auszuprobieren, um nicht schon den ganz Kleinen Antibiotika geben zu müssen.

Dr. Johanna Havran, Kinderärztin und zweifache Mutter, rät zu Gelassenheit: „Ich selbst gehe offen, neugierig, aber auch kritisch mit alternativen genau wie mit schulmedizinischen Heilmethoden um.“ Das generelle Verteufeln der jeweils anderen Methode störe sie hingegen. So sei manchmal eben ein Antibiotikum die beste Hilfe bei einer Erkrankung – wenn es aber auch ohne gehe, sei es gut, wenn mehr als die reine Schulmedizin zur Verfügung steht: „Warum nicht verschiedene Methoden kombinieren, wenn es passt? Ich finde es wichtig, dass der eine vom anderen lernen kann.“

Wer sich mit den Möglichkeiten der Homöopathie und speziell den Empfehlungen zur Behandlung von Kindern beschäftigen will, findet viele Antworten im Internet. Viel informatives Material findet man zum Beispiel auf der Website von Kinderarzt Dr. Martin Lang, der außerdem einen Ratgeber veröffentlicht hat, in dem er 100 Elternfragen rund um Homöopathie beantwortet.

Antibiotika oder Globuli in der Erkältungssaison

Gerade jetzt im Winter sind Kinder besonders oft erkältet und krank. Für berufstätige Eltern entsteht schnell ein Problem, wenn die Kinder nicht in die Kita oder Schule gehen können. Sie hoffen deshalb auf schnelle Hilfe durch den Kinderarzt. „Ärzte reagieren auf diesen Druck oft, indem sie unnötigerweise Antibiotika geben. Damit fördern wir aber die Resistenzen gegen Antibiotika, ohne dass wir die Ursache überhaupt bekämpfen“, erklärte Kinderarzt Dr. Martin Lang in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk. „80 Prozent der Krankheiten, die Kinder im Winter bekommen, sind viral bedingt. Das heißt, wir Ärzte haben keine Mittel, um die Ursache zu bekämpfen.“

Bietet die Homöopathie bei Babys und Kindern hier eine effektive Alternative? Davon überzeugt ist Kinderkrankenschwester Lucia Cremer, die auf ihrer Website viele Tipps rund um Homöopathie für Kinder anbietet: „Mit homöopathischen Globuli lassen sich Symptome wie Husten, Schnupfen, Fieber, Bauchschmerzen und vieles mehr sanft und schnell lindern.“ Dies gelte gerade jetzt im Winter, wenn viele Kinder quasi ständig unter Erkältungserscheinungen leiden.

Für Eltern ist es oft schwer zu entscheiden, welche Globuli in welchem Fall am besten helfen können. Die Homöopathie trifft zum Beispiel so feine Unterscheidungen wie Husten mit wenig oder viel Sekret, Husten mit oder ohne Schleimbildung, brodelndem Husten, usw. „Aus meiner Erfahrung ist es sinnvoll, zunächst mit wenigen ausgesuchten Globuli Erfahrungen zu sammeln und sich dann nach und nach mehr Wissen anzueignen.“ Hierfür bietet die Kinderkrankenschwester auf ihrer Website eine „Hausapotheke“ und einen „Quickfinder“ als Orientierungshilfen an.

Eine gute Orientierung bieten zudem die Bücher von Sven Sommer und Werner Stumpf, erschienen im GU-Verlag.

Ein Trend, den Ärztin Johanna Havran allerdings mit Sorge sieht, ist das reflexartige Verabreichen der Globuli bei jeder Kleinigkeit: „Da stürzt ein Kind auf dem Spielplatz – und zack, steht Mama parat mit ein paar Kügelchen. Da frage ich mich schon, ob manche Eltern verlernt haben, wie man ein Kind tröstet. Und auch für die Kinder finde ich es einen unguten Lerneffekt. Sie denken nämlich, dass bei jedem Wehwehchen direkt irgendetwas ‚eingeworfen‘ wird.“

Auch bei natürlichen Heilmitteln gilt es also abzuwägen, wann eine Behandlung tatsächlich notwendig ist.

Über den Autor

Dr. Alexander Plitsch ist Co-Gründer von mamour. Im Job ist er gern gut vorbereitet – vor der Geburt seiner ersten Tochter war es genauso. Gelesen hat er während der Schwangerschaft mindestens so viel wie seine Frau. Er findet, Eltern sollten sich nicht verrückt machen bei den Themen rund um Babys und Kinder – ein paar gute Bücher sind dabei auf jeden Fall gute Begleiter.

Ein krankes Kind bedeutet auch für die Eltern meist Stress und schlaflose Nächte. Zuneigung und Geduld helfen gegen die meisten Erkältungen aber besser als Antibiotika.

Dr. Alexander Plitsch
Alexander Plitsch

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